Ich hätte gern einen positiveren Titel gewählt, aber den hat dieser Post nicht verdient. Nicht nach diesem Küchen-Schlamassel.
Aber ich erzähle mal von Anfang an.
Erinnert sich noch jemand an das
Care-Paket, das
Päm mir im Herbst geschickt hat?
Für die Bohnen hatte ich ja ziemlich schnell Verwertung; den Zaunpfahlwink, jetzt mal endlich "ordentliche" Nudeln zu machen, hatte ich aber offenbar übersehen. Das gebe ich ganz verschämt zu.
In der Vorweihnachtszeit habe ich dann immer mal wieder das Päckchen feinen Hartweizengrieß zu meinen Eltern mitgenommen, mit dem Plan, Nudeln herzustellen, die ich zusätzlich zu den Cantuccini verschenken könnte. Und jedes Mal reiste das Päckchen wieder mit mir zurück.
Letzter Anlauf direkt vor Weihnachten. Dazu, vorher Nudeln zu machen, komme ich nicht, also setze ich nach unserer Rückkehr einen Teig an. Nach dem
Rezept von
Robert. Mit der kompletten Menge. Gelingt gefühlt sogar ziemlich gut. Zumindest fühlt sich der Teig gut an.
Und dann muß ich den Teig doch unverarbeitet zurücklassen.
Ob er eingefroren wurde, weiß ich bis heute nicht - ich hoffe es einfach mal ...
Also reist das - nun angebrochene - Packerl wieder mit nach Darmstadt. Und nachdem Silvester vorbei, die Küche wieder aufgeräumt ist, kann ich auch endlich den nächsten Versuch wagen. Diesmal mit halber Menge. Erstmal schauen, wieviel dabei herauskommt.
Kurzfristige Verwirrung: der Teig ist zu flüssig. Mehr Grieß dazugeben bringt ihn auf die gewünschte Konsistenz. Und dann erweist sich der Eßlöffel Öl, in dem ich den Teig rolle, auch wieder als "zuviel Flüssigkeit".
Egal. Ab in den Kühlschrank damit.
Am nächsten Tag - also gestern - knete ich tatsächlich noch 2 Eßlöffel Grieß unter. Nehme dann die Hälfte ab, fange an, auszurollen. Denke: Stop, falsche Baustelle. Du wolltest doch den Teig abschneiden ... Du hast doch gar kein Schnapsgläschen da ...


Sei's drum. Nach etwas Suchen findet sich ein leeres Gewürzgläschen mit zumindest passendem Durchmesser der Öffnung. Das Ausstechen damit klappt nicht wirklich. Nach zwei Versuchen gebe ich auf.

Ich knete das bereits ausgerollte Teigmonster wieder zusammen. Nehme noch einmal die Hälfte ab und gebe die anderen drei Viertel des Teiges zurück in den Kühlschrank. Eigentlich wollte ich ja eh nicht mehr als die beiden Deckel der Salatschüssel mit den Nüdelchen belegen, denn danach wird es mit glatten Unterlagen eng ...
Aber, oh Schreck, das Abschneiden des Teiges funktioniert auch nicht wirklich. Vor mir liegen zusammengedrückte Halbmonde. (Später schaffe ich es immerhin, bei sehr langsamem Schneidetempo runde Scheiben zu bekommen. Es geht also! Aber es bleibt ein Glücksspiel.)

Ich habe ein gewisses Bild im Kopf, wie die Nudeln über dem Daumen geformt werden könnten. Ich probiere es aus, versuche, ein Stück Teig über dem Daumen in sinnvoller Weise zu verbreitern. Der Teig klebt.
Ich habe keine Lust, weiter zu experimentieren, wieviel Grieß noch an den Teig muß oder könnte. Die Form der Nudeln ist mir jetzt egal, Hauptsache, die Verteilung des Teiges ist einigermaßen homogen. Ich lege die Teigstückchen auf den Gummideckel von Schüssel 1 und klopfe so lange auf ihnen herum, bis die Teigdicke so ist, wie ich denke, daß sie sein sollte.

Ich verteile die Teigstücke auf den zwei Plastikdeckeln und meinem Campingteller, die ich auf das Fensterbrett oberhalb der Heizung lege. Es ist früher Nachmittag.

Am Abend sind die Nudelstücke zum Brechen hart. Ich nehme sie von der Heizung, lege sie auf den Tisch, sodaß sie immer noch im Warmen sind, aber nicht so nahe an der Hitze.
Am nächsten Morgen sind die meisten Nudeln zerbrochen. Von den Plastikdeckeln haben sie sich gelöst, nur diejenigen auf dem Campingteller sind anderer Meinung.
Ich setze Wasser für die Nudeln auf. Hole tiefgekühlten (und durch Lagerung im normalen Kühlschrankbereich aufgetauten) Brokkoli hervor. Lasse diesen in gesalzenem Wasser kurz aufkochen, gieße ab, püriere, gebe zweieinhalb Teelöffel Frischkäse und zwei Eßlöffel vom Kochwasser der inzwischen halbgaren Nudeln hinzu und schmecke mit Salz und Pfeffer ab. (Hmmm! Brokkolisüppchen, ich komme!)
Nach etwa 15 Minuten halte ich die Nudeln für gar genug, um sie ebenfalls abzugießen.

Schnell abgeschreckt, dann werden sie unter die Brokkolicreme gerührt. Ich weiß, andersherum wäre möglicherweise präsentabler gewesen. Wenn die Nudeln eine gescheite Form hätten ...

Bleibt jetzt nur noch das Problem, was ich mit dem Rest vom Teig mache. Maultaschen mit Gemüsefüllung? Pasta e fagioli? Irgendwas süßes?
Es ist definitiv genug für 4-5 Rezepte da.
Ich mag gar nicht an die größere Teigmenge bei meinen Eltern denken ... da müssen dann wohl doch die Ausstecher ran.
P.S.: Eine Videoanleitung für das richtige Formen von Orecchiette gibt es unter anderem
hier.