Mittwoch, 22. September 2010

Dinkelnudeln im Eigenbau

Manche Ideen müssen reifen, davon bin ich seit heute überzeugt.

Ich habe ja die letzten Monate diverse Foodblogs mitgelesen. Ohne handgemachte Nudeln, so kann man dabei lernen, geht es eigentlich nicht. Claus jagt mittags zur Entspannung mal eben Nudelteig durch die Maschine, wenn für nix anderes Zeit ist (siehe hier und hier. Bei Robert gibt es sogar einen ganzen Pastakurs. Über Eline sag ich jetzt mal nix, bei ihr hab ich mich ja in den Kommentaren schon zu dem Thema ausgelassen.

Jedenfalls ist das wie ein Virus. Oder eher, als würde jemand hinter Dir stehen und jeden Tag ein bißchen lauter sagen: mach es!

Tja, und dann geht die Rezeptsuche los!
Und ich ärgere mich, daß ich hier zwar ein Rezept mit, aber nicht für Dinkelnudeln finde. Nudeln machen ist doch schließlich schwer, sonst würde das ja jeder machen, deswegen braucht man auch unbedingt ein Rezept. Oder?

Getragen von einer gewissen Endzeitstimmung, die aus dem Nahen des auf mich magisch wirkenden Datums 23. September resultiert, fiel dann gestern die Entscheidung, ausgehend von diesem Rezept einen Versuch zu starten. Dinkelmehl 630 und Dinkelgrieß hatte ich Anfang des Monats vorsichtshalber schon mal gekauft. Zur Not hätten beide als Zutaten für Backwaren enden müssen.
(Ich habe übrigens auch im italienischen Supermarkt nach DeCecco-Mehl gesucht, ohne Erfolg.)

Ich mische also je 200g Dinkelmehl und Dinkelgrieß miteinander, gieße 200ml Wasser dazu und vermenge alles. Der Teig fühlt sich grisselig an (der Grieß halt), hat aber eine gute Konsistenz. Ich wickele das Teigstück in Folie und lasse es gute 2 Stunden im Kühlschrank.

So sah es danach aus:


Ich "breche" erstmal ein Viertel ab, noch im Unklaren, wie daraus jetzt dünner Teig wird, den man zu Nudeln schneiden kann.


Es folgt der Punkt, an dem ich vom oben verlinkten Rezept abweiche und auf das Bemehlen des Arbeitsbrettes verzichte. Der Teig hat mir das nicht gedankt.


Also Mehltüte aus dem Schrank holen, etwas Mehl um die Kanten streuen und versuchen, das Teigstück abzukratzen. Als große Hilfe dabei erweist sich schließlich der Pfannenwender. Zwischendrin hätte fast auch das Schild einer Weinflasche dran glauben müssen, denn auf der Suche nach einem geeigneten Nudelholzersatz kam mir diese auch in den Sinn. Leider wollten Teig und Schild allzugute Freunde werden ... gut, daß ich wenigstens einen Stahlschwamm habe ...

Also kommt jetzt großzügig Mehl aufs Brettchen und ich starte einen neuen Versuch. Diesmal darf der Meßbecher helfen. Das geht jetzt sogar ganz gut, jedenfalls solange, bis der Meßbecher an seine größenmäßigen Grenzen stößt. Ich behelfe mir, indem ich für die letzten 5 Minuten Ausrollen den Stiel eines Holzlöffels nehme - die Löffelfläche darf dabei über den Rand des Brettchens, der gleichzeitig der Rand des Küchenschranks ist, hinausragen. Voila, die "Schuhsohle", ca. 1mm dick:


Hier isse schon halb zerschnitten:


und hier ganz:


Im Topf nach gut 5 Minuten Kochen:


Auf dem Teller mit etwas selbstgemachtem Pesto:


Mit Absicht nur eine Probierportion, da ich heute abend noch eingeladen bin. Ich hätte es einfach nicht mehr bis morgen ausgehalten.

Die Nudeln schmecken etwas nach dem Grieß, das läßt sich wohl ebensowenig vermeiden wie das für Grieß spezielle haptische Gefühl. Ansonsten können die Nudeln problemlos mit der Kaufware mithalten.
Das Problem mit der Suche nach einem eisenmangeltauglichen Nudelrezept ist also erstmal gelöst.

7 Kommentare:

  1. Liebe Hesting, ganz klar, du brauchst ein Nudelholz! ;)

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  2. Hartweizengrieß ist sehr fein vermahlen, also der DeCecco. Wir essen zu 98% selbstgedengelte Pasta, chmeckt einfach am besten. In Dinkel ist mehr Eisen als in Weizen? Soll ich Dir 'ne Packung Hartweizengrieß schicken?

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  3. @Evi: ich brauch auch noch ganz viel anderes. :D

    @Mestolo: auja, ein Care-Paket! :D
    Das mit dem Eisen weiß ich nicht hundertprozentig, tendenziell bekommt mir Dinkelgebäck aber tatsächlich besser.

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  4. Dann mal her mit der Adresse. Meine Email-Adresse findest Du im Blog unter Kontakt.

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  5. Bin tief beeindruckt! Die Nummer ohne Maschinchen und ohne vernünftiges Nudelholz. Und dann sehn die so aus wie auf dem Bild da oben. Nicht schlecht für´s erste Mal, gar nicht schlecht!

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  6. Wow... ich habe mal Dinkelnudeln selber versucht und bei mir ist es total daneben gegangen. Sie haben sich im Wasser einfach aufgelöst. Ganze "Roll- und Schnippelarbeit" umsonst gemacht. Danach habe ich es noch nicht wieder probiert....

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  7. @Claus: ich bin auch immer noch begeistert. :)

    @Anie: ich hab ja gestern die zweite Portion gekocht und festgestellt: gleichzeitig Nudeln schnippeln und die schon geschnittenen Nudeln kochen geht in die Hose. Länger als 5 Minuten dürfen die nicht im Wasser sein, das nimmt der Grieß übel.

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