Schließlich fiel die Wahl auf die Turbane des Sultans.
Den Teig habe ich gestern abend eingerührt. Da ich vorher Brombeer-Lassi gemacht habe (oder zu machen versucht habe), war der Meßbecher schon "besetzt", also fülle ich einen Kaffeebecher mit Wasser. Müßten auch 250ml sein, denke ich und gieße das Wasser fröhlich zu 200g Mehl dazu. Der Plan war nämlich eigentlich, nur etwa die Hälfte der Teigmenge herzustellen. Das Ergebnis ist suppig. Ich rühre so lange Mehl unter, bis der Teig sich einigermaßen aus der Schüssel löst. Am Ende habe ich geschätzte 400g Mehl (insgesamt) mit dem Wasser verrührt.
Den Teig wickele ich nun in Klarsichtfolie ein und lasse ihn - unter einem Topfdeckel - auf der Ablagefläche liegen.
Am Morgen begrüßt mich das Teigmonster mit neugewonnener Kraft. Wie, ich soll aus der Folie raus? Mit bemehlten Finger kann ich den Teig dann aber doch von der Folie lösen und auf das gut bemehlte Arbeitsbrett befördern. Dort knete ich ihn noch einmal durch - und habe ihn endlich in der Konsistenz, die ich mir gestern abend gewünscht hätte.
Währenddessen wärmen sich schon mal 500g Pflanzenfett im Topf auf.
Als ich mit der Kneterei fertig bin, ist auch das Pflanzenfett geschmolzen. Ich entscheide mich, weitere 250g Fett dazuzugeben, damit ich noch ein bißchen Zeit zum Formen der Rollen habe.
Und dann forme ich Rollen, gebe sie ins Fett, forme Rollen, gebe sie ins Fett, hole die ersten raus, forme neue Rollen, gebe sie ins Fett, usw. Und denke irgendwann, daß das keine Arbeit für eine einzige Person ist. Ich wünsche mir eine Freundin herbei, die sich um den Honig kümmert und die fertigen Turbane (die ich im Kopf eher Röschen nenne) bestreicht. Aber es ist niemand da, der mich hören könnte. Daher müssen die ersten Röschen ohne Honigbelag auskühlen.
Irgendwann schleicht sich aber Routine ein. Der Topf wird immer voller, das Fett kommt mit dem Ausbacken nicht mehr nach. Ich forme und forme und auf einmal ist der Teig alle und nur noch 5 Röschen warten auf ihren Platz im Topf.
Zeit, sich um den Honig zu kümmern. Ich erhitze etwa 50g Butter in einer Pfanne und gebe etwa 150g zähflüssigen Honig dazu. Schlagartig springt das Kopfkino an. Welcher Koch hatte in welcher der von mir am Wochenende geschauten Kochshow-Mitschnitte hatte noch mal gesagt, daß man Honig nicht über 40 Grad erhitzen solle? Egal, hilft nix, da muß der Honig jetzt durch. Er löst sich auch brav in der Butter auf und ich kann die erste Ladung Turbane bestreichen.
Man sieht diesem Bild an, daß es gewisse Anlaufschwierigkeiten gab, oder? :)
Ich werde jetzt auch langsam ungeduldig, deshalb dürfen die weiteren Röschen nicht mehr ganz so braun werden wie die ersten. Ordentlich im Honig baden dürfen beide.
Und dann beiße ich probehalber doch mal in ein Röschen hinein. Hart ist der Teig geworden. Ob das Zitronenaroma, wenn ich denn welches zu der Honig-Butter-Mischung dazugegeben hätte, etwas gerettet hätte? Ich bin nicht überzeugt.
Im Topf tummeln sich die letzten Röschen, die dürfen nun auch raus und werden mit dem Rest der Honig-Mischung begossen.
Am Pfannenrand hat sich Karamell gebildet, das ich aus Nichtwissen heraus abkratze (im guten Willen, die Pfanne zu säubern) und vom Löffel schlecke.
Ich zähle durch: 38 Röschen (inkl. des schon gegessenen). Auweia, wer soll das alles essen? Kalt schmecken die Dinger eigentlich nicht, die muß man tatsächlich warm essen. Ein nettes Gericht für einen Abend mit Freundinnen, für ein schnelles Frühstück allein definitiv nicht geeignet.
Woooow, was für eine Arbeit. Das mit dem Honig war glaub ich der Lafer. Wenn man Honig zu sehr erhitzt, gehen die gesunden Inhaltsstoffe flöten. Ansonsten macht man am Honig nix kaputt ;)
AntwortenLöschenHmm nee, Lafer definitiv nicht, der war bei dem, was ich gesehen habe, nicht dabei. Was nicht bedeuten muß, daß diese Kollegen einander wiederholen. ;)
AntwortenLöschenIch finde, dass deine Roeschen sehr huebsch aussehen. Da ich das Originalrezept nicht kenne: soll der Teig hart werden und dann im Honigwasser wieder einweichen?
AntwortenLöschenIch glaube, man bäckt sie nur soweit, wie unbedingt nötig. Will sagen, bei mir waren sie vermutlich zu lange in der Hitze. Evtl. hätte der Teig auch gar nicht so fest (sprich: mehlhaltig) sein dürfen.
AntwortenLöschenEinige der Teilchen sind - durch die Honigmasse? - wieder etwas weicher geworden, die meisten aber nicht.
ich liebe dieses süsse Zeugs, aber muss gestehen, dass ich es beim Algerier, Marokaner oder Libanesen immer kaufe, dann sehe ich nicht, wieviel Fett da drin ist....aber lecker ist es.
AntwortenLöschenSehen ein bischen aus wie Schweineschwänze, aber witzig, dein Gebäck!
@bolliskitchen: ich habe sogar "in Griffweite" einen Laden, der arabisches Gebäck verkauft. Leider habe ich auch ein starkes DIY-Gen, das sich nicht aufs Kaufen beschränken kann.
AntwortenLöschenIch nehme daher Buchempfehlungen zum Thema auch gern entgegen. :D