Im Grunde ist das Imkern zum großen Teil Verwaltungsarbeit, sprich: man kontrolliert die Stöcke und hält den aktuellen Stand schriftlich auf einem Erfassungsbogen fest.
Aber das ist keine Arbeit, die man ungesichert macht, deshalb wurden zuallererst Hauben verteilt und übergezogen. Dann wurden die Anwesenden in zwei Gruppen aufgeteilt, mit Smoker und Meißel ausgestattet und über den Umgang mit den Stöcken aufgeklärt. (Ich war nämlich nicht die einzige, für die dies das erste Mal war.)

Insgesamt waren sieben oder acht Stöcke zu kontrollieren. Los ging's mit einem Stock, der als problematisch notiert worden war - wie sich zeigte, hatte sich das Volk aber "gefangen" und alle Sorgen verflogen angesichts des guten Anblicks sehr schnell.
Nachdem bei diesem Volk noch das eine oder andere erklärt worden war, gingen die zwei Gruppen nun mehr oder weniger selbständig ans Werk, zählten die belegten Rahmen, holten auch mal einen Rahmen heraus, vor allem zur Demonstration: wo sind Larven, wo ist schon Honig, wo sind Waben verschlossen, etc.
Die meisten Völker hatten zwei "Etagen" und wir (meine Gruppe) haben nur beim ersten von uns selbständig kontrollierten Stock die untere "Etage" überprüft, bei den anderen war das gar nicht nötig, denn da sich viel Leben oben abspielte, konnte man davon ausgehen, daß es unten keine leeren Rahmen mehr hatte.

Ein Wort zu den Geräten und dem Vorgehen. Die Völker sind in stapelbaren Styroporbeuten untergebracht, wie man sie meines Erachtens vom Sehen kennt. Das Einflugloch ist an der unteren Beute, ihm sollte man sich als Mensch nicht nähern, denn natürlich gibt es Wächterbienen und diese erkennen (wie alle Bienen) dunkel gekleidete Wesen und Bewegungen sehr gut! Man geht also quasi nur von der Rückseite an den Stock heran. Um einen Blick in den Stock zu werfen, hebelt man zuerst den Deckel auf. Das macht man am besten zu zweit: die zweite Person hält den Smoker bereit. Zwischen dem eigentlichen Deckel und den Rahmen liegt eine Folie auf (und auf dieser der Erfassungsbogen). Während einer die Folie langsam von einer Seite beginnend hochhebt, "benebelt" der andere die sehr schnell nach oben kommenden Bienen mit dem Smoker, um sie zu beruhigen. Im Smoker sind glühende Heupellets oder etwas ähnliches - die oberste Schicht glüht nicht oder nur innerlich - und es riecht ein bißchen wie Lagerfeuer: aus der Nähe sehr penetrant. (Keine Ahnung übrigens, wieviel sich davon in der Kleidung festsetzt.)
Sind Deckel, Papier und Folie zur Seite gelegt, kann man weiter sporadisch den Smoker benutzen oder auch gleich die interessanten Rahmen raushebeln und hochnehmen. Wie gesagt, zu zweit geht es besser; der Einsatz des Smokers kann schon verhindern, daß man plötzlich von vielen Bienen umgeben ist, die nach einem Punkt suchen, an dem sie den Störer "erwischen" können. (Da die Bienen gern auf alle Oberflächen gehen, ohne angriffslustig zu sein, lohnt es sich, vor der Arbeit mit ihnen auch die Socken über die Hosen zu ziehen oder die Hosen über die Stiefel - damit man verhindern kann, daß Bienen im Hosenbein oder an den Schenkeln innen nach oben klettern.)

Wenn von oben gut sichtbar ist, was oder wieviel sich an einem Rahmen tut, braucht man ihn nicht rauszunehmen. Dann zählt man einfach nur die belegten Rahmen und notiert ggf. noch, ob es Honigansatz gibt oder verschlossene Poren oder Drohnen, die bald schlüpfen. Ob bei einem Volk bald eine neue Etage aufgesetzt werden muß, weil in der oberen Etage fast alle Rahmen in Beschlag genommen sind. Letzten Endes ergibt sich aus diesen Informationen dann, ob man damit rechnen muß/kann, daß das Volk auch Honig einträgt oder eintragen wird.
Apropos Honig: dessen Ertrag wird natürlich auch von der Blüte bestimmt. Dieses Jahr ist die Natur verständlicherweise etwas später dran - die Kirschblüte, die im allgemeinen der Start für die Flugsaison der Bienen ist, hatte am Standort der Kästen noch nicht eingesetzt (weiter unten im Tal schon), aber es gibt einen Schwarzdorn und in/an dessen Blüten sind die Bienen an diesem Wochenende zugange gewesen.
Bevor man die Folie wieder auflegt, nimmt man nochmals den Smoker zur Hand, geht damit über die ganzen Rahmen noch mal von oben drüber, um die Bienen dazu zu bringen, sich in den Stock zu "verziehen" - wenn sie oben auf den Rahmen sitzen oder laufen, kann man ja nicht gut zudecken. Wenn die Folie liegt, kann man sie als Schreibunterlage benutzen. Ist man mit den Notizen fertig, wird der Stock komplett wieder geschlossen. Die Dunkelheit im Bienenstock ist wichtig für die Tiere.
Nachdem der Imkernachmittag vorbei war, sind Tino und ich noch mal auf der Wiese auf die Suche nach eßbaren Kräutern gegangen. Der Impuls dazu kam von mir - Schafgarbe hatte ich ja gefunden, Löwenzahn auch - auf die "richtigen" Kräuter wie Giersch, Knoblauchrauke machte mich erst Tino aufmerksam und dann haben wir uns sozusagen "durch die Wiese gegessen". Tino kam dann auch immer wieder mit einer Handvoll von Kräutern an, die unbedingt noch in meine Handfläche passen mußten. Zuhause holte ich dann Knoblauchrauke, Giersch, Schafgarbe und noch zwei andere Kräuter, deren Namen mir sofort wieder entfielen, aus der Tüte. Vielleicht kann sie ja jemand identifizieren?

Ein Teil der Kräuter ist recht schnell in einen Kräuterquark gewandert, ein anderer Teil in einen Salat. Die Reste fanden dann als Ersatz für gekaufte Küchenkräuter Anwendung.
Zum Abschluß des Nachmittags bat ich mir noch einen Besuch bei den Schafen aus. Die schäfliche Damenbande hatte ich nämlich lang nicht mehr gesehen. Im Moment sind alle drei Damen trächtig - auf dem Hof, von dem sie stammen, sind schon Lämmer auf die Welt gekommen; jene wurden mir als "sehr süß" geschildert.

Kurz darauf in der Straßenbahn kam dann die Melancholie - schon im Auto hatte ich die Wege, die ich in den letzten 12 Monaten hin und wieder gegangen war, wiedererkannt und ihnen "Lebewohl" gesagt -; sollte es mit dem Ortswechsel in den nächsten 2 Monaten wirklich klappen, hätte ich am neuen Ort gern wieder einen Naturschutzbund-Ortsverein, dem ich so spontan und sorgenfrei hin und wieder aushelfen kann, ohne an ungeschriebene Verpflichtungen gebunden zu sein. Wie sich bei einem anderen Verein mit ganz anderer Ausrichtung in den letzten 3 Monaten gezeigt hat, ist diese Unkompliziertheit nicht die Regel. :(
Ich hatte vor Kurzem einen Film gesehen, der mich als Altimker sehr getroffen hat. "Bienen. Nicht nur Honig." In China gibt es schon ganze Regionen, die keine Bienen mehr zur wichtigen Bestäubung haben und da Bestäuben jetzt Menschen mit der Hand. Eine sehr toll gemachte Reportage mit unglaublichen Nahaufnahmen. Das mit den Smoker habe ich noch nie verstanden. Bienenwachs absorbiert ja Rauch und ich wollte ja auch etwas Wachs gewinnen, der gut riecht. Also habe ich sie nur mit etwas Wasser besprüht. Dann ziehen sie sich gleich nach unten zurück und beginnen auf dem Stress gleich einmal was zu fressen. Beim Schliessen vertrieb ich die vereinzelten Bienen vom Kastenrand mit einem Räucherstäbchen. Zur Wachsgewinnung hatte ich mir eine Sonnenschmelze gebaut und erhielt dann wunderbar duftendes Wachs, was die Bienen natürlich zum Teil als Mittelwände wieder in den Stock erhalten.
AntwortenLöschenDanke für Deinen schönen Bericht. Für das, dass Du das erste Mal das gemacht hast, hast Du sehr viele Details beobachtet. Du wärst sicher ein guter Imker.
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Anna
Ein wirklich toller Bericht! Ich habe zwei Onkel die auch Imker sind, also bin ich von klein auf mit Bienen und Honig vertraut. Dein Bericht ist so super, dass ich ihn morgen Robert vorlesen werde. Du erklärst so fein!
AntwortenLöschenich wünsche Dir eine schöne Woche
Elisabeth
Danke für die Glückwünsche zum Geburtstag ...
AntwortenLöschenSusanne
Jetzt müsste es gehen mit dem Link zu mir. Wo ich doch das Bloggen ausprobiere. Aber es geht nur noch über google+, das kennt und kann Mama nicht. Schwierig.
AntwortenLöschenLustig ist, dass gestern Mamas Freundin aus München da war. Sie wird grad Imkerin. Und sie hat gestern in Altötting einen Schwarm Bienen abgeholt und nun ist der mitten in München.
viele Grüsse
Susanne